heute möchte ich euch "Scharfer Sand" von Helen Baxter vorstellen und euch einen kleinen Einblick ins Buch geben.
Das Buch ist am 1. März 2017 erschienen und hat ca 600 Seiten.
Doch worum genau geht es eigentlich in dem neuen Buch von Helen Baxter?
Das könnt ihr bei diesem Bild gut sehen.
Mit dem Prolog bekommt ihr einen ersten Einblick ins Buch:
»Mittelalterliche Verhörmethoden mögen bei renitenten Verdächtigen verlockend erscheinen. Mit der modernen kriminalistischen Arbeit haben sie allerdings nichts zu tun - ebenso wenig wie eigentlich alles andere, das man so im Film- und Fernseh-Krimis sieht. Wir arbeiten mit hochprofessionellen Profilern und psychologisch ausgeklügelten Techniken der Wahrheitsfindung. Dadurch erzielen wir deutlich bessere Ergebnisse.«
Vereinzeltes Gekicher ging durch das Auditorium des
Kriminalistik-Kurses an der Berliner Humboldt-Universität. Der Dozent, Fritz
Brinkmann, ließ den Blick über die spärlich besetzten Reihen schweifen und
blieb an einer reizenden Brünetten hängen. Die junge Frau hörte auf den Namen
Gila von Steden. Sie hatte von Beginn an reges Interesse an seinen Ausführungen
gezeigt. Ihre Fragen waren gezielt, sehr spezifisch und zeugten von einer hohen
Kombinationsgabe. Einige Male bereits hatte sie ihn mit analytischen
Fähigkeiten bei Musterfällen überrascht, was nur wenigen Studenten gelang. Sie
war eine der wenigen, die den Kurs nicht nur als Abwechslung im täglichen
Studieneinerlei nutzten.
Studentin der Kunstgeschichte, so stand es in dem von ihm
angelegten Profil über sie. Einundzwanzig, ohne Anhang, iranischer Einschlag.
Eine heiße Mischung, wie er fand. Er besaß von jedem Studenten eine solche
Akte. Einen Kurs für Kriminalistik an einer Hochschule anzubieten, bot die
perfekte Möglichkeit, interessierte junge Menschen zu finden, die für seine
Zwecke geeignet waren.
Gila von Steden hob die Hand.
»Frau von Steden?«
»Wenn aber die Spezialisten nicht weiterkommen, was bleiben
ihnen für Möglichkeiten?«
»Dann wenden wir die chinesische Wasserfolter an.«
Das Auditorium brach in Gelächter aus.
Sie zog einen Schmollmund und rollte mit den Augen.
»Es gibt immer Optionen«, beeilte er sich zu sagen. »Das
lösen wir beim nächsten Mal, für heute machen wir Schluss. Sie dürfen sich
gerne darüber den Kopf zerbrechen und geeignete Strategien vorschlagen.«
Gilas Blick ruhte auf ihm.
Es machte ihn ein wenig nervös. Er hätte ihr Vater sein
können und doch gab es da eine gewisse Affinität, die er sich nicht erklären
konnte. Er sortierte in aller Ruhe die Stifte in das Etui und steckte es in das
vordere Fach seiner Aktentasche.
»Sehe ich Sie morgen beim Uni-Ball, Professor?«, erklang
ihre weiche Stimme direkt vor ihm.
Erschrocken zuckte er zusammen, denn er hatte ihr
Näherkommen nicht bemerkt und auch die Frage überraschte ihn. Lehrkräfte
besuchten diese Veranstaltung eher nicht.
Er blickte auf, sah, wie sie mit den Fingern ihre
kastanienbraune Haarpracht zusammenraffte und ein Gummiband darum wand. Dabei
zeigte sie perfekte Proportionen. Er räusperte sich und versuchte sich auf das
Einräumen der Unterlagen in seine Aktentasche zu konzentrieren. »Wenn es Sie
freut, komme ich gern«, antwortete er, kurz aufsehend, mit einem milden
Lächeln.
»Hey Croft, kommst du nun mit, oder willst du den Bus
nehmen?«, rief ein Kommilitone Gila vom Ausgang her zu.
»Bei einem sexistischen Blödmann, der mich mit Lara Croft
vergleicht, steige ich nicht ein, da geh ich lieber zu Fuß! Du weißt genau, wie
ich das hasse. Du reduzierst mich auf mein Aussehen. Hau ab Struppi, ich komm
schon nach Hause!«, fauchte sie aufgebracht über die Schulter zurück in
Richtung des jungen Mannes mit dem blonden Wuschelkopf, der daraufhin
verschwand.
»Wo müssen Sie hin?«
»Wedding.«
»Ich kann Sie mitnehmen, das liegt auf meinem Weg«, log er,
denn es lag entgegengesetzt zu seiner Wohnung.
»Prima. Nehmen wir Ihren alten Alfa Romeo Spider?«
»Er ist nicht alt, er ist ein Oldtimer, ein Klassiker, eine
aussterbende Spezies, genau wie ich. Wollen wir offen fahren?«
Sie hielt sich verschwörerisch die Hand vor den Mund. »Aber
Herr Professor, wenn uns nun jemand sieht? Wird da nicht jeder denken, wir
hätten was miteinander?« Dabei ließ sie ein kehliges Lachen hören.
»Sollen sie. Ich habe nichts zu verbergen. Sie etwa?«
Sie schüttelte den Kopf.
Auf dem Weg zum Parkplatz ging er neben ihr und fühlte sich
urplötzlich deutlich jünger als fünfundfünfzig. Er fuhr sie bis vor die Tür
eines Mehrfamilienhauses, in dem sie die Mansardenwohnung mit einer
Kommilitonin teilte, wie sie ihm bereitwillig mitgeteilt hatte. Er konnte kaum
erwarten, sie auf dem Ball wiederzusehen. Die Gelegenheit, ihr die
entscheidende Frage zu stellen.
In Smokinghose und Dinnerjacket stand er am Samstagabend an
der Bar und beobachtete Gila auf der Tanzfläche. Bisher kannte er sie nur
sportlich gekleidet. Jeans, Shirt, Sneakers. Aber heute war sie gestylt. Eine
Femme fatale, eine süße Versuchung für jeden Mann. Speziell für ihre
Kommilitonen, die reihenweise bei ihr abblitzten, obwohl sie es eindeutig darauf
anlegte, sie heißzumachen, indem sie ihnen tief in die Augen schaute oder ihnen
einen Blick in ihr atemberaubendes Dekolleté gönnte. Amüsiert stellte er fest,
dass sie das provokante Katz- und Mausspiel mit den Jungs zum reinen Vergnügen
veranstaltete. Sehr bewusst setzte sie ihren Sexappeal ein. Genau, was er
suchte!
Zielstrebig ging er auf sie zu und ignorierte ›Struppi‹, der
gerade in ihren Fängen litt. »Darf ich bitten?«, fragte er, fasste sie am
Handgelenk, zog sie in die Arme und tanzte mit ihr davon, ohne eine Antwort
abzuwarten.
Sie holte Luft, um zu protestieren, doch er schnitt ihr das
Wort ab.
»Wenn Sie jetzt Professor Brinkmann zu mir sagen, bin ich
genauso beleidigt wie Sie, wenn man Sie Lara Croft nennt.« Er entließ sie für
eine Drehung, die sie mit sinnlichem Lachen ausführte, kurz aus seinem Griff.
Ebenso schnell holte er sie zurück. Dunkles Haar flog ihm ins Gesicht und
duftete himmlisch.
Sie sah ihn aus rehbraunen Augen an, in denen ein
verlockendes Feuer loderte.
Mit dem Zeigefinger strich er ein paar Locken, die denselben
Rotstich und den Glanz frisch gefallener Kastanien aufwiesen, aus ihrem
Gesicht. Sie war bildschön, am liebsten hätte er sie sofort geküsst. Es nicht
zu tun, fiel besonders schwer, zumal sie ihren kurvigen Körper an seinen
drängte, als wolle sie ihn dazu provozieren. Auf den atemberaubenden Stilettos
war sie fast so groß wie er, der es immerhin auf einen Meter dreiundachtzig
brachte. Die Lippen leicht geöffnet, schien sie einen Kuss zu fordern. Die
Musik verstummte und rettete ihn aus der brenzligen Situation.
»Einen Drink?«
»Gern«.
Er führte sie zur Bar. »Einen ›Sex on the Beach‹ für die
Lady, für mich einen Martini, zwei Oliven, geschüttelt, nicht gerührt.«
Unverhohlen betrachtete sie ihn, den Anflug eines Lächelns
im Gesicht.
»Was amüsiert Sie?«
»Ach nichts, ich dachte nur vorhin, Professor an einer Uni,
das passt nicht zu Ihnen. Dinnerjacket und Smokinghose entsprechen eher dem gut
aussehenden Mann mit leicht angegrauten Schläfen. Ich verglich sie soeben mit
James Bond, als Sean Connery ihn noch spielte. Und jetzt lehnen sie lässig an
der Bar, bestellen Martini geschüttelt, nicht gerührt? Wie im Kino. Ist das
eine Masche, Studentinnen anzumachen, oder sind Sie im Auftrag ihrer Majestät
unterwegs?«
Er reichte ihr das Glas und wartete ab, bis sie am Strohhalm
sog.
»Wenn ich es wäre? Möchten sie mit mir zusammenarbeiten,
sozusagen als mein Bond Girl?«, gab er mit todernster Miene zurück.


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