Montag, 22. August 2016

Blogtour "Blickwinkel - Point of View"

Hallo ihr Lieben.
Heute startet die Blogtour zu "Blickwinkel - Point of View" von K. Elly de Wulf.


Bei mir erfahrt ihr heute alles über das Buch und findet auch eine exklusive Leseprobe.
Morgen geht es bei
Annika weiter mit dem Thema Mixed-Material-Arts.

Das Buch ist am 25.5.2016 beim bookshouse Verlag erschienen und hat 498 Seiten.
Es ist als eBook und Taschenbuch bei allen gängigen Plattformen erhältlich.

Luke "Cut" Cuttler ist ein erfahrener Mixed-Material-Arts-Kämpfer. Nach einer längeren Verletzungspause bereitet er sich auf einen neuen Kampf vor.
Neben dem schweren Training versucht er auch die Probleme in seinem Privatleben in den Griff zu bekommen. Denn von jetzt auf gleich muss er sich um seinen 10jährigen Sohn kümmern.
Sein Leben wird endgültig auf den Kopf gestellt, als ihm Natalie über den Weg läuft. Die taffe Mutter bringt ihn vollkommen durcheinander.
Doch gibt es für die Beiden eine Chance? Natalie hat eine bewegte Vergangenheit und einen schwerwiegenden Fehler begangen, den nicht mal ihr Vater verzeihen kann. Kann Luke es dann überhaupt?


Jetzt könnt ihr ins erste Kapitel reinlesen:

Kapitel 1
Erster Eindruck

Luke fluchte heftig und lautstark. Er konnte es nicht fassen, dass Scott nach nur einem halben Tag an der neuen Schule bereits im Büro des Direktors saß und er dorthin zitiert wurde. Sein gesamter Trainingsplan war damit durcheinandergebracht worden, dabei stand das wichtige Kampftraining an. Sein Sparringspartner Bryan hatte sich extra den Nachmittag frei gehalten, damit sie ausgiebig miteinander arbeiten konnten. Nun würde er wertvolle Zeit damit vergeuden müssen, einen missgestimmten Schulleiter vom guten Kern seines zehnjährigen Sohnes zu überzeugen.
   Wenn er Glück hatte, war der Mann wenigstens ein Mixed-Martial-Arts-Fan und würde sich schnell erweichen und es mit etwas Nachsitzen auf sich beruhen lassen. Was genau passiert war, wusste er noch nicht, doch mit Sicherheit hatte sich sein werter Sohn direkt in den größtmöglichen Schlamassel hineinmanövriert. Darin war er ihm verdammt ähnlich.
   Mit quietschenden Reifen hielt Luke auf dem Besucherparkplatz der Grundschule im Nordwesten von Las Vegas und stieg aus. Er hatte die Zeit zum Umziehen gespart und sich eine ärmellose Funktionsjacke über den nackten Oberkörper und die Trainingsshorts gezogen, weswegen man seine Tätowierungen am Hals, an den Armen und den Beinen gut erkennen konnte. Ihm war es egal, was andere Leute von ihm dachten, wenn sie die Tribals und den Drachenkopf sahen, schließlich war er ein MMA-Kämpfer und dies ein Zeugnis seiner wilden, unzähmbaren Persönlichkeit.
   Luke schwitzte in der prallen Sonne und rieb sich unwirsch mit dem Unterarm über den kahl geschorenen Kopf, während er auf das Hauptgebäude zujoggte. Je schneller er in diesem vermaledeiten Büro war, desto eher konnte er wieder verschwinden. Scott würde seine Standpauke später in Empfang nehmen können, das konnte er ihm schon jetzt versprechen.
   Auf halbem Wege kam er an einer drallen Brünetten vorbei, die mit zackigen Schritten und schwingendem Hinterteil ebenfalls auf das Haupthaus zuhielt. In ihrem knielangen Blümchenkleid und mit den hochgesteckten Haaren wirkte sie wie eine typische, biedere Lehrerin. Daher beließ Luke es bei einem flüchtigen Seitenblick, obwohl die wogende Oberweite der Dame mit Sicherheit eines eingehenden zweiten Blickes würdig gewesen wäre. Dafür hatte er jedoch keine Zeit. Luke musste dringend zurück ins Training.
   Sein Coach war wegen der Unterbrechung aufgebracht gewesen, und je länger es dauerte, desto wütender würde er nachher sein. Luke konnte von Glück reden, dass Lamb ihn überhaupt trainierte.
   Nach dem letzten von drei verlorenen Kämpfen hatte er eine lange Verletzungspause einlegen müssen und sich nur mühsam wieder aufgerappelt. Deswegen, und weil er mit seinen fünfunddreißig Jahren zu den eher älteren Kämpfern zählte, büßte er seinen Platz im Top-Team von Coach Roberts ein. Man konnte dort niemanden gebrauchen, der wahrscheinlich nie wieder auf die Beine kommen würde und wenig Aussicht auf Erfolg versprach. Luke hatte wie schon oft in seinem Leben gekämpft, alles gegeben und war wieder aufgestanden.
   Die Kosten für das Krankenhaus und die Reha waren astronomisch hoch und hätten wohl jeden anderen in den sicheren Ruin getrieben. Zum Glück war Luke nicht so dumm wie andere MMA-Kämpfer, die ihre gerade erkämpfte Börse oder die Sponsorengelder gleich mit der nächstbesten Schnecke verjubelten. Nein, er hatte bereits vor Jahren eine stattliche Summe gut und – vor allem vor Britney – sicher angelegt. Davon hatten sie nun zehren können, aber diese Reserven neigten sich langsam dem Ende zu. In fünf Wochen stand endlich der nächste Kampf an. Wenn er diesen gewinnen würde, wäre er wieder auf der Siegerstraße und könnte sich auf Titel und lukrative Siegprämien freuen. Dann wäre Cut zurück.
   Damit er bei Lamb trainieren durfte, übernahm er im Gegenzug die Trainerstelle für einige Kurse Jiu-Jitsu in dessen Dojo und schlug sich mit den verwöhnten Kids aus der Vorstadthölle herum. Wenigstens trainierte er auch Scott, der mit all den Veränderungen in seinem jungen Leben nicht glücklich zu sein schien. Erst die Sache mit seiner Mutter und dann der Umzug in das neue Apartment. Um Geld zu sparen, wohnte Luke nicht mehr im allerbesten Viertel, gehörte aber noch zur gehobenen Mittelschicht mit guten Jobs, Haus mit Garten und Pool und den obligatorischen zwei Autos, wovon mindestens eines ein SUV oder Pick-up war. Die Wohnung in dem Apartmenthaus, die er, statt seines Bungalows, für sich und Scott gemietet hatte, war geräumig genug für sie und konnte sogar mit einem Fitnessraum punkten.
   Sicher war Luke Besseres gewohnt, aber für einen Mann, der aus einem Trailerpark stammte, kam dies bereits wahrem Luxus gleich. Er vermisste zwar seine alte Bleibe, mit Pool und Garten, doch seit er mit seinen Reserven haushalten musste, gab er sich notgedrungen mit einer Nummer kleiner zufrieden. Hinzu kam, dass er nicht mehr nur für sich allein verantwortlich war, seit diese dumme Schlampe Britney ihm so mir nichts dir nichts seinen unehelichen Sohn vor die Tür gestellt hatte, um mit einem drittklassigen Magier aus einer bereits abgesetzten Zaubershow abzuhauen.
   Scott war ein Unfall gewesen. Entstanden in einer heißen Nacht nach einem seiner ersten Kämpfe in der MMA-Association. Jung und dumm war er damals, hatte die erstbeste Schnecke, die ihm ihre Möpse ins Gesicht drückte, mit ins Bett genommen und vor lauter Siegeseuphorie, Geilheit und Adrenalin das Kondom vergessen. Er konnte sich nicht einmal mehr an ihren Namen erinnern, geschweige denn, ob er sie damals überhaupt danach fragte, als sie ihm einige Wochen später einen Schwangerschaftstest unter die Nase hielt und was von Alimenten und Unterhalt faselte.
   Natürlich hatte er gezahlt und das nicht zu knapp, aber erst, nachdem ein offizieller Vaterschaftstest eindeutig belegte, dass Scott wirklich sein Sohn war. Das Gericht räumte ihm zu seiner Freude kein Besuchsrecht ein, was für ihn bedeutete, dass er den Jungen bis zu jenem Tag lediglich einmal zu Gesicht bekam. Ihm wäre es lieber gewesen, Britney hätte eine Abtreibung gemacht, aber diese miese Goldgräberin wollte nur sein Geld und sich damit schadlos halten.
   Als wegen der Niederlagen und der Verletzung die hohen Börsen ausblieben und seine Sponsoren absprangen, hatte sie keine Verwendung mehr für den Jungen, und so stand er vor fünf Monaten bei ihm vor der Tür, während sie mit quietschenden Reifen davonfuhr.
   Von jetzt auf gleich musste er sich um einen Jungen kümmern, den er nicht einmal kannte. Es stellte sich schnell heraus, dass Scott nicht pflegeleicht war. Ein Rüpel, der nach Aufmerksamkeit gierte und keinerlei Umgangsformen besaß. Luke wusste sich kaum mehr zu helfen, knabberte an seiner Situation und musste alles irgendwie im Lot halten. Wenigstens konnte er Scott mit ins Dojo nehmen, damit er während der Ferien ein Auge auf ihn hatte.
   Dem Jungen schien es dort zu gefallen. Er trainierte fleißig und hing förmlich an den Lippen von Lamb, wenn dieser großväterlich Anekdoten aus seiner aktiven Zeit als MMA-Kämpfer zum Besten gab. Damals, in den Achtzigern, war alles noch in den Kinderschuhen und bei Weitem nicht so organisiert wie heute. Nun gab es mit der MMA-Association einen riesigen Veranstalter mit Sponsoren, Weltmeisterschaften und hohen Siegprämien. Für Scott waren es die Geschichten, die ihn augenscheinlich faszinierten, und so konnte sich Luke getrost dem Training widmen, während Scott neben dem Sparringsbereich stand und dem Trainer nicht von der Seite wich.
   Mit der Zeit hatten sie sich angenähert, kamen immer besser miteinander klar, sodass Luke bereits Licht am Ende des Tunnels sah. Nun musste er aber gleich am ersten Schultag beim Direktor von Scotts neuer Schule antraben, und wenn sein Sohn nur halbwegs nach ihm schlug, handelte es sich sicher nicht um eine Kleinigkeit.
   Wie hatte er gehofft, dass sein Einfluss und der von Lamb den Jungen ein wenig in die Spur bringen würden. Er war nicht einmal mehr mit den anderen Kämpfern nachts um die Häuser gezogen oder hatte sich mit einer süßen Schnecke vergnügt. Seit Scott bei ihm lebte, fristete er das Dasein eines Mönchs und hatte verdammt schwer daran zu knabbern.
   Klar war er kein Kostverächter. Als erfolgreicher Fighter konnte man sich vor Angeboten williger Gespielinnen kaum retten. Er brauchte nur seine gut austrainierten Muskeln spielen lassen, dann roch er die Erregung der Damen förmlich, wenn sie ihm nicht sogar gleich ihre Hände auf den Schritt legten. Ihm hatte es nie an Gelegenheiten gemangelt, aber auf eines achtete er seit seinem Unfall mit Britney stets penibel: erst das Kondom, dann wurde gefickt.
   Zügig lief er, der Beschilderung folgend, den Gang entlang. Beim Betreten der Schule hatte er sofort bemerkt, dass sie genauso roch wie seine damals in Sacramento, woher er ursprünglich stammte. An der Tür zum Direktorat angekommen, verharrte er kurz mit der Hand am Türknopf und atmete mehrmals tief durch. Nicht weil er außer Atem war, sondern um seine innere Mitte zu finden, damit er seinen aufwallenden Ärger besser im Zaum halten konnte. Er hoffte inständig, dass Scott niemanden verprügelt oder gar seine neu erlernten Jiu-Jitsu-Kenntnisse gegen einen Mitschüler eingesetzt hatte. Er wollte nicht das Jugendamt am Hals haben und sich nicht mit aufgebrachten Helikoptereltern herumschlagen müssen, die Scott für gemeingefährlich hielten, nur weil er der Sohn eines MMA-Kämpfers war.
   Damals vor Gericht hatte man ihm deswegen das Besuchsrecht für den Jungen verweigert. Er sei ein schlechter Einfluss für ihn. Ob Britney ihm jedoch eine gute Mutter sein würde, war für den Richter in keiner Weise von Interesse. Einzig sein Lebenswandel schien für die Urteilsfindung entscheidend.
   »Sie sehen eigentlich nicht aus, als hätten Sie Schiss vor dem Direktor, oder kommen da böse Erinnerungen auf, wenn Sie vor solch einer Tür stehen?«, sagte eine warme Stimme mit einem leicht spöttischen Unterton hinter ihm. Er blickte sich nach der Quelle um. Es war die Frau im Blümchenkleid, die ihre schmale Sonnenbrille ins Haar geschoben hatte und mit einer hochgezogenen Augenbraue abwartend zu ihm aufsah.
   »Man weiß nie, was einen in solch einem Büro erwartet«, erwiderte er lax, zuckte mit den Schultern und atmete nochmals tief durch.
   »Vom Warten wird es nicht besser«, merkte sie nach einer Sekunde an, doch Luke konnte sich noch immer nicht dazu durchringen, die Tür zu öffnen. Er hoffte, dass die Frau endlich weiterging.
   »Na kommen Sie, einfach drehen, funktioniert ganz simpel, so ein Türknopf«, feixte die Frau und schien sich über ihren Scherz glänzend zu amüsieren.
   Luke hatte geglaubt, dass Scott durch die mit ihm verbrachte Zeit und den Einfluss von Lamb langsam etwas ruhiger und umgänglicher wurde. Wie sollte er nun mit ihm verfahren? Eine Tracht Prügel, so wie er sie früher von seinem Vater verabreicht bekam, stand nicht einmal ansatzweise zur Debatte.
   »Verdammte Scheiße«, fluchte Luke.
   »Männer!«, murmelte die Frau.
   »Was wollen Sie eigentlich?«, blaffte er und sah die Frau herausfordernd an. Luke baute sich vor ihr auf, stemmte die Hände in die Hüften und spannte die Muskeln an den Armen und am Bauch an.
   »Da rein, genauso wie Sie. Ich habe allerdings im Gegensatz zu Ihnen keinen Angstschweiß auf der Stirn stehen. Also was jetzt? Gehen Sie rein oder treten Sie beiseite, damit ich da rein kann. Ich hab nämlich noch was Besseres zu tun, als mir hier auf dem Gang die Beine in den Bauch zu stehen«, erwiderte sie brüsk und stemmte ebenfalls die Hände in die breiten Hüften.
   Ihr Blick aus dunkelbraunen Augen bohrte sich regelrecht in ihn hinein, woraufhin er schnell seine Niederlage eingestand und sich, mit vor der Brust gehobenen Händen, von der Tür zurückzog. Die Kleine hatte definitiv Feuer, und sich mit ihr anzulegen bedeutete, mit ihrem Mundwerk Bekanntschaft zu machen. Darauf hatte er weder Lust noch die Nerven, da in diesem Moment ein Stechen in seiner linken Schulter einsetzte.
   Er nahm den Arm sofort in eine Schutzhaltung an den Körper und verzog das Gesicht. Der Schmerz war vollkommen überraschend gekommen, und er fluchte leise, während er über die Stelle rieb, an der ihm vor zehn Monaten ein gut platzierter Tritt seines Gegners beinah das Schultergelenk vollständig zertrümmert hätte.
   Sie musterte ihn eingehend. »Alles okay?«
   Luke verzog das Gesicht und winkte ab, trat einen Schritt zurück und deutete mit der Hand auf die Tür. Die Frau öffnete diese und schritt, ohne zu zögern, in das Vorzimmer. Er folgte ihr.
   Die junge Sekretärin sah von ihrem Bildschirm auf, als sie auf den Schreibtisch zukamen.
   »Hallo, ich wurde angerufen. Mrs. Laurence, mein Sohn Joshua geht in die fünfte Klasse von Mrs. Alvarez«, erklärte sie der Sekretärin und reichte ihr über den Schreibtisch hinweg die Hand. Die zierliche Latina zuckte zusammen, was Luke vermuten ließ, dass der Händedruck dieser Mrs. Laurence ziemlich fest sein musste. Bei dem Nachnamen wurde er kurz hellhörig, hakte es aber sofort wieder ab.
   »Freut mich, ich bin Ms. Nunes. Direktor Adler telefoniert gerade, bitte warten Sie doch einen Moment«, gab sie gepresst von sich und wandte sich ihm zu. »Mr. Laurence«, begrüßte sie ihn und reichte Luke etwas zaghafter die Hand. Ihre Augen klebten förmlich an ihm. Vermutlich troff sein Erscheinungsbild geradezu vor purem Testosteron.
   »Ähm, nein, ich kenne den Herrn nicht«, erwiderte Mrs. Laurence, wobei ihre Stimme etwas verwirrt klang, da Ms. Nunes sie mit einem Mal schlichtweg ignorierte.
   »Ich bin Luke Cuttler. Ich wurde ebenfalls angerufen, wegen Scott Zanosky. Er ist mein Sohn«, stellte sich Luke vor und legte ein schiefes Grinsen auf, wovon er wusste, dass es bei den meisten Frauen ein Kribbeln im Höschen auslöste. Es schien in jedem Fall bei der Sekretärin Wirkung zu zeigen, denn sie klimperte mit ihren dick getuschten Wimpern und lächelte ihn süß an.
   »Freut mich, Mr. Cuttler«, hauchte sie, während er noch immer ihre Hand hielt und ihr tief in die Augen sah.
   Mrs. Laurence wandte sich hüstelnd ab.
   »Nennen Sie mich ruhig Luke. Wenn man mich mit Mr. Cuttler anspricht, denke ich immer, man würde meinen Vater meinen«, raunte er, zwinkerte ihr zu und ließ langsam ihre viel zu zarte Hand los, die er kaum hatte drücken wollen, aus Angst, dass sie vor Schmerzen aufschrie.
   »Oh, aber nur, wenn Sie mich Vanessa nennen«, gurrte sie, während ihr Zeigefinger eine Haarsträhne einfing und diese langsam darum wand.
   »Gern, Vanessa«, gab er mit tiefer, sonorer Stimme zurück.
   »Aha, da ist er ja, mein werter Sohn!«, sagte Mrs. Laurence scharf, bevor er seinen kleinen Flirt vertiefen konnte. Sie hatte von dem Schauspiel, welches er und diese süße, kleine Sekretärin ihr boten, keine Notiz mehr genommen und die beiden Jungen in einer Ecke des Raumes entdeckt. Wieder stemmte sie ihre Hände in die breiten Hüften und trat einige Schritte an die Delinquenten heran.
   Scott starrte mit hochrotem Kopf zu Boden, während der andere Junge, bei dem es sich wohl um Joshua handeln musste, die Schultern bis zu den Ohren hochgezogen hatte und den Kopf gleichzeitig einzog. Beide versuchten, mit der grauen Wand des Büros zu verschmelzen, aber es wollte nicht so recht gelingen.
   »Kannst du mir bitte mal erklären, was los ist? So was kenne ich nicht von dir, Josh!«, sagte Mrs. Laurence mit ruhigerem Tonfall, doch Luke konnte klar heraushören, dass sie aufgebracht war. Wahrscheinlich hatten sich Scott und Joshua geprügelt, wobei er in seinem Sohn den Auslöser ausmachte, da er Scotts Temperament zur Genüge kannte.
   »Mom, ich kann dir das erklären!«, gab Joshua kleinlaut flehend von sich. Er war ebenfalls dazu übergegangen, den Boden und seine Schuhspitzen eingehender zu studieren.
   »Na da bin ich aber mal gespannt. Dann leg mal los!«, forderte sie, ging zu dem Jungen und vor ihm in die Hocke. So musste er ihr in die Augen sehen, was ihm sichtlich schwerfiel. Das Kleid spannte über ihrem prallen Hintern. Luke nahm es zur Kenntnis, es rang ihm aber kaum eine Regung ab, da er eher auf zierlichere Frauen wie diese süße, kleine Sekretärin abfuhr. Sicherlich würde er die andere nicht von der Bettkante stoßen, wenn sie sich ihm bereitwillig anbot, aber mehr als ein kleiner One-Night-Stand würde es sicher nicht werden. Zu wenig turnte sie ihn an.
   Da Josh nur schluckte und keinen weiteren Ton hervorbrachte, nutzte Luke die Gelegenheit und baute sich vor Scott auf. Sein Sohn blickte noch immer nicht zu ihm nach oben, schien allerdings richtiggehend zu beben.
   »Siehst du! Ich hab dir doch gesagt, dass Cut Cuttler mein Dad ist! Aber du hast gesagt, ich lüge! Da ist er! Glaubst du mir jetzt?«, platzte Scott heraus, gerade als Luke den Mund aufmachen wollte.
   »Ja, man! Du hattest recht! Trotzdem heißt du nicht Cuttler! Bäh«, rief Josh und streckte Scott die Zunge heraus.
   »Das muss ich auch nicht! Selber bäh!«, erwiderte Scott.
   Tief durchatmend erhob sich Joshuas Mutter, blickte von einem zum anderen und schloss seufzend die Augen.
   »Jungs, ihr habt euch nicht allen Ernstes geprügelt, weil du, Josh, Scott nicht geglaubt hast, dass der Mann hier sein Vater ist?«, fasste sie die kindliche Auseinandersetzung der beiden Zehnjährigen kurz zusammen.
   »Mom, er heißt aber nicht Cuttler!«, protestierte Joshua und rang sichtlich um Worte für eine passende Erklärung. »Und, und … Überhaupt ist er voll doof, und ich muss mit ihm zusammenarbeiten. Dabei kann er voll wenig, und Mrs. Alvarez sagte, ich solle ihm helfen, aber er will nicht mitarbeiten, und ich wollte ihn mit dem Buch hauen, weil er mich immer Streber genannt hat. Das hat er mit dem Arm abgewehrt. Er hat sich auf mich gestürzt, und wir haben uns auf dem Boden rumgerollt, mein Stuhl ist umgekippt und dieser doofen Ziege Miley, die auch bei uns am Tisch sitzt, auf den Fuß gefallen. Die hat laut angefangen zu heulen. Mrs. Alvarez hat Scott und mich auseinandergezogen, und wir mussten jeder in eine Ecke, bis Miley aufgehört hat zu heulen und jemand kam, der sie zur Krankenschwester brachte. Miley hat nicht mal gehumpelt, so wie Theo. Mrs. Alvarez hat uns hierher gebracht. Mom, ehrlich, ich hab nix gemacht!« Joshuas Blick beschwor seine Mutter geradezu, ihm zu glauben.
   Sie seufzte tief, massierte sich dabei die Schläfe, trat an ihren Sohn heran und legte eine Hand in seinen Nacken. Sanft zog sie ihn an sich, sodass sein Kopf an ihrer Hüfte lag. Der Junge presste die Augen zusammen und schien zu warten, ob ein Donnerwetter folgte, entspannte sich allerdings nach kurzer Zeit sichtlich in ihre Berührung hinein.
   Luke musterte Scott, der noch immer mit hochrotem Kopf vor sich hinbrütete.
   »Scott, bist du okay?«, fragte Mrs. Laurence unvermittelt, woraufhin er zusammenzuckte und sie aus weit aufgerissenen Augen heraus anstarrte. Luke war von der Frage auch überrascht und sah sie irritiert an.
   »Ja, Ma’am!«, erwiderte Scott kleinlaut. Sein Blick huschte zu ihm und zu Joshua, der sich an seine Mutter drückte, die ihm sanft über das dunkel gelockte Haar strich.
   »Ms. Nunes, wissen Sie, wie es der kleinen Miley geht?«, fragte sie, woraufhin Vanessa ertappt zusammenzuckte. Luke schmunzelte. Sie hatte die ganze Zeit über neben ihm gestanden und seine Tätowierungen eingehend studiert.
   »Ähhh, sie ist okay. Ihre Mutter will aber sicher mit Ihnen sprechen«, erwiderte sie etwas zickig und verzog schnippisch die glossig glänzenden Lippen.
   »Gut, geben Sie mir bitte ihre Adresse, dann werde ich sie nachher aufsuchen«, bat Joshuas Mutter, worauf sich Vanessa etwas zögerlich in Bewegung setzte, um an ihrem Computer nach den Daten zu sehen.
   »Josh, entschuldige dich bitte bei Scott«, forderte Mrs. Laurence, was Luke und auch Scott erstaunte, der sie aus weit aufgerissen Augen heraus anblickte.
   »Wieso? Er hat doch mich zuerst geärgert!«, nörgelte Joshua, doch sie zog lediglich eine Augenbraue nach oben und blickte ihren Sohn abwartend an.
   »Menno, Mom!«
   »Joshua! Man haut niemanden, ob mit einem Buch oder mit der Hand!«
   Bei dem fordernden Klang ihrer Stimme wandte er sich seufzend an Scott. »Tut mir leid, dass ich dir nicht geglaubt und dich gehauen habe«, murmelte er an Scott gewandt.
   Abwartend musterte Mrs. Laurence Scott, der schluckend und verunsichert zu ihm aufsah, als wollte er wissen, ob er auch etwas dazu sagen würde. Luke wohnte diesem Schauspiel jedoch lediglich als Zuschauer bei und wusste nicht, wie er sich verhalten sollte. Er hatte damit gerechnet, dass sein Sohn der Hauptübeltäter in einem riesigen Aufruhr war, und nun stellte sich heraus, dass es sich lediglich um eine kleine Kabbelei unter Jungs gehandelt hatte. Aus einem Impuls heraus zwinkerte er Scott zu.
   »Ist schon okay, Mann«, sagte Scott, der Lukes Geste offenbar als Aufforderung verstanden hatte. »Tut mir leid wegen des Strebers und so«, fügte er zaghaft an. Diese ungewohnt leisen Töne irritierten Luke. Er musterte Scott eingehend, der seinen blonden Schopf gesenkt hielt und die Beine unschlüssig baumeln ließ. Mrs. Laurence strahlte Autorität aus, etwas, dass Scott zu beeindrucken schien.
   »Okay, ihr beiden. Jetzt reicht euch die Hände, und dann Schwamm drüber!«, forderte sie die Jungen auf, die die Gesichter verzogen und sich schnell die Hände schüttelten, als wären sie etwas vollkommen Widerwärtiges.
   »Na also, geht doch. Wie lange bist du schon auf dieser Schule, Scott?«, fragte sie mit Genugtuung in der Stimme, woraufhin Scott zu Luke aufsah und zu ihr blickte.
   »Seit heute.«
   »Oh, dann bist du also auch neu hier, genauso wie Josh«, stellte sie das Offensichtliche fest.
   »Wir dulden an dieser Schule kein solches Fehlverhalten oder ähnlich schlechtes Benehmen«, schaltete sich Vanessa ein. »So etwas wird gleich beim ersten Mal schwer geahndet!« Sie musterte Mrs. Laurence mit einem Blick, der vor Abneigung sprühte.
   »Inwiefern schwer? Wenn sich zwei zehnjährige Jungs balgen, zieht es doch nicht allen Ernstes gleich einen Verweis nach sich, oder?«, wollte Mrs. Laurence, die vollkommen ruhig blieb, wissen.
   »Wir werden sehen. Direktor Adler hat strenge Regeln für das Verhalten der Schüler festgelegt!«, giftete Vanessa, hielt ihr einen Zettel hin und wandte sich direkt ab, nachdem Mrs. Laurence ihn entgegengenommen hatte.
   »Ja, wir werden sehen«, erwiderte Mrs. Laurence lediglich und wandte sich Joshua zwinkernd zu, der sie ängstlich ansah. Auch Scott riss seine Augen weit auf, als er das Wort Verweis hörte. Luke legte ihm eine Hand auf die Schulter. Er hoffte inständig, dass diese Geste genauso beruhigend auf seinen Sohn wirkte, wie die halbe Umarmung der Mutter es bei Joshua tat.
   Gerade als Luke fragen wollte, auf welcher Schule Joshua vorher war, um wenigstens ein wenig Präsenz zu zeigen, ging die Tür des Direktors auf, und ein langer, schlaksiger Mann erschien, dessen schütteres Haar das Bild des langweiligen Lehrers vervollkommnete. Sein schlecht sitzender Anzug und die schmale Brille schrien es schier heraus, doch die nahende Glatze besiegelte es.
   Der Mann stockte in der Bewegung, als er die dralle Frau musterte, und sog scharf die Luft ein. Anscheinend mochte er es etwas üppiger, denn sein Blick glitt ungeniert über sie hinweg und blieb an der Oberweite und den Hüften hängen.
   »Natalie?«, fragte er atemlos, und sie gluckste kurz auf.
   »Steven? Ich fasse es nicht! Ich dachte, dein Vater wäre noch immer der Direktor dieser Schule, aber nein, du bist es. Unfassbar«. Sie ging mit einem breiten Lächeln auf den vollen Lippen zu ihm. Fest schloss er sie in seine Arme, drückte die Frau an sich, und Luke war sich sicher, dass der Kerl davon noch in einigen Tagen feuchte Träume bekommen würde.
   »Ich kann es nicht glauben. Natalie Laurence. Du bist wieder in Vegas, und nun geht dein Sohn auf meine Schule. Toll, wirklich toll.« Der Direktor ließ seine Hände über ihren Rücken gleiten. Dabei blitzte sein schmaler goldener Ehering auf. Als er an ihren Schultern ankam, ruhten seine Hände, und er schob Mrs. Laurence ein wenig von sich fort, um sie erneut von Kopf bis Fuß zu mustern.
   »Natalie! Wahnsinn. Du hast dich wirklich nicht verändert!«
   »Danke, du alter Charmeur.«
   »Wie lange warst du weg? Zehn Jahre?«
   »Elf.«
   »Wo hast du gesteckt? Ich habe was von LA gehört.«
   »Ähm, San Francisco, aber lass uns doch in dein Büro gehen.«
   »O ja, komm rein.«
   Direktor Adler ignorierte Luke schlichtweg und geleitete seine alte Bekannte in sein Büro. Luke folgte ihnen, ob er nun dazu gebeten wurde oder nicht. Vanessa stand der Mund offen, und sie schien zu erkennen, dass sie keinerlei Gewicht besaß, was die Entscheidungsfindung anbelangte.
   »Setz dich doch bitte, Natalie«, forderte der Direktor sie auf. Mit einem breiten Grinsen auf den schmalen Lippen führte er sie zu einem der Stühle gegenüber seines Schreibtisches und zog ihn etwas näher heran, bevor er sich zu seinem Platz begab.
   Luke schloss die Bürotür und fühlte sich für einige Augenblicke wie unsichtbar, da diese Natalie und dieser Steven ihn nicht zu bemerken schienen. Mrs. Laurence saß locker auf dem Stuhl, schlug ihre Beine übereinander und legte den Kopf leicht zur Seite. Steven Adler rollte mit seinem Bürostuhl nah an den Schreibtisch, und Luke vermutete, dass er damit ein großes Hallo verdecken wollte.
   Luke fiel auf, dass sie schöne Füße mit knallrot lackierten Zehennägeln hatte. Die offenen Sandalen schmeichelten ihnen ungemein. Erst jetzt, wo er seinen Blick über sie gleiten ließ, bemerkte er ihre wohlgeformten Beine, die glatt und gebräunt waren, wobei sie seidig glänzten.
   Langsam ging er zu dem freien Stuhl vor dem Schreibtisch, postierte sich dahinter und wartete darauf, dass der Direktor auch ihn endlich begrüßte oder zumindest wahrnahm.
   »Ich dachte eigentlich, ich würde auf deinen Dad treffen und dürfte mit ihm über alte Zeiten plaudern. Aber nun, schön, dich zu sehen, Steven.«
   »Schön, dich zu sehen, Natalie. Möchtest du etwas trinken? Wasser, Kaffee oder etwas anderes?«
   »O bitte, mach dir keine Umstände.«
   »Ach was! Wozu habe ich schließlich eine Sekretärin?« Sein Lachen war laut und wirkte aufgesetzt, dennoch behielt Natalie ihr sanftes Lächeln bei, welches ihrer Miene ein Strahlen entlockte.
   »Gut, dann nehme ich ein Wasser. Stilles Wasser bitte.«
   »Gern doch!«, erwiderte Steven und betätigte die Gegensprechanlage.
   Langsam wurde es Luke zu bunt. Er musste ins Training zurück, und zwar schnell. Gerade, als er etwas sagen wollte, kam Vanessa hereingeschossen, stellte brüsk eine kleine Flasche Wasser vor Natalie auf den Tisch und verschwand wieder.
   »Danke schön, Ms. Nunes!«, rief Natalie ihr nach.
   »Was ist denn mit der los?«, fragte Steven und lachte unbeholfen auf.
   »Oh, bestimmt nur so Weiberkram«, entgegnete Natalie süffisant und kicherte leise. Sie nahm die Flasche, öffnete sie verschmitzt grinsend und trank daraus.
   »Sie hat das Glas vergessen«, murmelte Steven betreten, doch Natalie winkte ab.
   »Lass nur, macht mir nichts aus. Kennst mich doch!«, sagte sie lachend, und er stimmte mit ein. Anscheinend kannten die beiden sich wirklich gut.
   »Also, lass uns zur Sache kommen, Stevie!«, forderte sie ihn mit einem weichen Lächeln auf, während sie mit einem Finger am Saum ihres Ausschnitts entlang fuhr. Der Blick ihres Gegenübers fing diese Geste ein und saugte sich daran fest.
   »Mr. Cuttler und ich sind wegen der beiden Delinquenten hier.«
   »Wer?«
   »Mr. Cuttler.« Sie blickte zu Luke auf, und der Direktor schien überrascht, dass noch eine weitere Person bei ihnen im Raum war. Dabei konnte man Luke allein schon wegen seines Erscheinungsbildes kaum übersehen. Mit einem Meter achtzig, der Glatze, den breiten Schultern, den schmalen Hüften und den wilden Tätowierungen fiel er eigentlich überall auf wie ein bunter Hund. Dieser notgeile Kerl musterte ihn, als hätte er ihn in eben diesem Moment überhaupt erst wahrgenommen und sofort entschieden, ihn nicht zu mögen.
   »O ja, Mr. Cuttler. Ich bin Steven Adler. Sie sind der Vater von … ähm …«, stellte er sich vor und reichte Luke über den Tisch hinweg die schweißnasse Hand.
   »Scott Zanosky«, gab Luke mit schneidender Stimme von sich.
   »Ah, ja genau. Scott Zanosky. Cuttler … Ähm, Sie sind doch der MMA-Kämpfer, oder? Hat Clive Pear Sie nicht vor zehn Monaten so übel zugerichtet? Das war ein Kampf, ich hab geglaubt, der bricht Ihnen alle Knochen. Hat er auch, oder? Bei welchem Trainer sind Sie jetzt? Roberts hat Sie ja vor die Tür gesetzt, wenn ich mich richtig erinnere.«
   Luke sog scharf die Luft ein und hob sein Kinn an, während er ihn von oben herab betrachtete. Sicherlich könnte er diesem Kerl zeigen, aus welchem Holz er geschnitzt war, doch Scott würde dies ausbaden müssen. Wozu plusterte sich der Kerl eigentlich so auf? Luke hegte keinerlei Interesse an dieser Natalie, und er würde sich nicht auf einen Schwanzvergleich mit ihm einlassen, selbst wenn es ihn mächtig juckte, weil er wusste, dass er den Längeren hatte.
   »Alles wieder in bester Ordnung. Ich bin jetzt bei Lamb Laurence«, erwiderte Luke mit aufgesetzter Ruhe, da er innerlich brodelte wie ein Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch stand.
   Stevens Augen huschten von ihm zu Natalie, und er blickte sie überrascht an. »So, bei Lamb? Guter Coach. Nicht wahr, Nat?« Er zwinkerte ihr zu.
   »Oje, das artet hoffentlich nicht in Kampfanalysen und Statistiken aus, oder?«, gab sie zurück, rollte mit den Augen und zwinkerte Steven zu. Sie beugte sich nach vorn und ließ einen Ellenbogen auf dem Schreibtisch ruhen.
   Steven schien sein Interesse an Luke verloren zu haben, und es war eindeutig, wo seine Augen nun hineinzufallen drohten, da ihr Busen durch diese Haltung nach oben gedrückt wurde.
   »Also, was machen wir jetzt wegen dieser Sache? Eigentlich … Komm schon, Steven. Zwei Zehnjährige, beide neu an der Schule, und wir waren damals in der gleichen Klasse, sowohl hier als auch später an der Highschool. Ich will nicht klüngeln, aber ich finde, du solltest es beim Strafmaß berücksichtigen.«
   »Also … ähm, Nat … ähm, wir haben hier strenge Regeln«, sagte Steven, offenbar überrumpelt. »Wenn ich da Ausnahmen mache …«
   »Ach, komm schon, Stevie. Ich weiß, du bist ein ganzer Kerl und musst bestimmt oft durchgreifen, aber ich kenne dich und weiß, dass hinter der harten Schale ein weicher Kern steckt. Joshua wird sich ab sofort benehmen und zu einem wahren Musterschüler mutieren.«
   »Nat, wenn … Ich würde sofort, aber …«
   »Stevie, Joshua hat es mir versprochen. Er wird sich zusammenreißen. Ich gebe dir mein Wort, dass er nie wieder auffällig sein wird.« Sie nahm die noch offene Wasserflasche, setzte sie an und trank einige Schlucke. Damit drückte sie ihren üppigen Busen noch mehr zusammen, und Steven blieb fast die Luft weg. Luke hatte zwar vorher nicht genau hingesehen, aber er hätte schwören können, dass der oberste Knopf ihres Kleides, als sie dieses Büro betraten, noch nicht offen gewesen war.
   »Steven, na komm, gib dir einen Ruck!«, forderte sie.
   Er ließ sich mit einem tiefen Seufzer nach hinten fallen und hob die Arme in einer resignierenden Geste. »Na gut! Aber nur dieses eine Mal. Normalerweise gibt es für solches Fehlverhalten einen Verweis, und ich bin nur gnädig, weil ich dich gut kenne, Nat. Dein Wort drauf, dass er sich benimmt.«
   »Danke, Stevie, das hast du!«
   »Gut, dann kannst du deinen Sohn mitnehmen, die letzte Stunde hat sowieso schon angefangen. Aber Nat …«
   »Keine Sorge, Stevie, ich halte meine Versprechen noch genauso wie früher.«
   »Das weiß ich, Nat. Mensch … Ich kann es immer noch nicht fassen! Du wieder in Vegas. Weißt du, wenn du magst, können wir gern mal was essen gehen oder ein Bier trinken? Na, was meinst du?«, fragte der Direktor mit einem fast schon gierigen Brennen in den Augen und leckte sich dabei über seine kaum vorhandenen Lippen.
   Das konnte doch nicht wahr sein, oder? Grub der Direktor seines Sohnes die Frau tatsächlich an? Dieses gesamte Gespräch war eine wahre Show gewesen, doch nun ging es Luke zu weit. Er stand kurz davor, zu explodieren, da er bis jetzt noch immer nicht auf Scott zu sprechen gekommen war.
   Natalie lachte laut. »Ja klar, gern doch. Warte, ich gebe dir meine Karte, dann kannst du dich bei mir melden.« Sie öffnete ihre Handtasche, kramte darin herum, holte eine Visitenkarte hervor und reichte sie Steven. Die Augen des Direktors begannen zu leuchten, als er sie studierte und sein Adamsapfel hüpfte mehrmals auf und ab. »Danke. Ich melde mich, Nat.« Luke fiel auf, dass der Ehering an seiner Hand verschwunden war.
   »Ich freue mich jetzt schon, Stevie.«
   »Ich mich auch.«
   »Gut, dann nehmen Mr. Cuttler und ich unsere Söhne und stören dich nicht weiter.«
   »Ach herrje, als ob du mich stören würdest.«
   »Stevie, wir sehen uns.«
   »Nat, bis bald.«
   Sie erhob sich, reichte Steven, der sitzen blieb, die Hand und zwinkerte ihm zu. Luke wusste nicht, ob er mit ihr gehen oder bleiben sollte. Sie hatte nur von Joshua gesprochen, aber mit einem Mal schienen beide Jungen straffrei auszugehen. Er sah sie überrascht an, doch sie ignorierte ihn, während sie zur Tür ging. Luke entschied sich für den Rückzug, ging an ihr vorbei und öffnete die Tür, wartete aber auf der Schwelle, denn Natalie drehte sich zu Steven um.
   »Ach … Sag mal, bist du eigentlich noch mit Eliza verheiratet?«, fragte sie unvermittelt.
   Stevens Mimik entgleiste. »Ähm, ja … Liz und ich. Ja.«
   »Grüß sie mal lieb von mir.«
   »Mach ich, Nat. Mach ich.«
   »Bye Stevie.«
   »Bye Nat.«
   Sie drehte sich auf dem Absatz um und ging an Luke vorbei aus dem Büro. Er schloss die Tür und musste schlucken. Sie hatte dem Typen eine derart kalte Dusche verpasst, dass es selbst ihn fröstelte. Dabei war sie nicht einmal unhöflich oder zickig geworden, hatte die gesamte Zeit über warm gelächelt und einen natürlichen Charme versprüht, während sie ihre Brüste hochdrückte, damit dieser schmierige Kerl zu sabbern begann. Luke war sprachlos.
   »Josh! Abmarsch«, rief sie ihrem Sohn zu, schnalzte mit der Zunge und wartete an der offenen Tür zum Gang auf ihn. Luke nickte Scott zu, der genauso wie Joshua aufsprang und auf den Flur lief.
   »Bye Ms. Nunes!«, trällerte Natalie über ihre Schulter hinweg, schloss demonstrativ den obersten Knopf ihres Kleides und verließ das Vorzimmer, ohne auf Antwort zu warten. Luke winkte Vanessa kurz zu und ging ihr nach.
   Schweigend verließen sie das Schulgebäude, die Jungen wirkten noch immer schuldbewusst und zogen die Köpfe ein. Auch wenn es Luke auf der Zunge brannte zu erfahren, warum Natalie nicht nur Joshua von der Strafe befreit hatte, sondern auch Scott, ließ er es bleiben.
   Auf dem Parkplatz blieb Natalie stehen und baute sich vor ihrem Sohn auf, der trocken schluckte. »Joshua, das war dein Freischuss. Dass wir uns da verstehen, ich haue dich nicht noch einmal raus, und ich habe deinem Direktor mein Wort gegeben. Ab sofort reißt du dich zusammen, egal, was ist, du wirst dich benehmen und solche Dinge an dir abperlen lassen. So etwas wird nicht noch einmal passieren. Ach, und bevor ich es vergesse, du kannst dich für eine Woche von deiner Spielkonsole verabschieden. Nur, weil du keinen Verweis in der Schule bekommst, heißt das nicht, dass ich dich straffrei davonkommen lasse. Sobald wir zu Hause sind, baust du sie ab. Ich will nichts von dir hören.«
   »O Mom!«, gab er gequält von sich, doch sie riss lediglich die Augen auf, und er verstummte sofort. »Okay, ich baue sie ab«, murmelte er resignierend und senkte den Kopf, bis sein Kinn auf der Brust angekommen war.
   »Hast du nicht was vergessen?«, fragte sie streng und blickte ihn abwartend an, während er seinen Kopf wieder hob und sie irritiert ansah.
   »Danke, Mom!«
   »Gern mein Schatz!«, erwiderte sie, zog ihn zu sich und nahm ihn fest in den Arm.
   Luke und Scott hatten gebannt zugesehen, doch erst, als sich Natalies Arme um ihren Sohn schlossen, regte sich Scott und riss die Wagentür auf. Anscheinend wollte er so schnell wie möglich vor dieser Vorstellung fliehen.
   »Moment noch, Scott! Du solltest dich bei Mrs. Laurence bedanken. Sie hat nämlich nicht nur Joshua, sondern auch dich rausgehauen«, erklärte Luke.
   Seine Niederlage war vollkommen. Er war dort drinnen kaum zu Wort gekommen, sie hatte alles mit vollem Körpereinsatz geregelt, und er besaß zumindest genügend Rückgrat, dies auch einzugestehen. Er hätte sich mit diesem Schmierlappen von Direktor wahrscheinlich verbal angelegt und alles noch schlimmer gemacht.
   Scott starrte ihn aus weit aufgerissenen Augen heraus an, nickte zaghaft und ging zu Mrs. Laurence, die ihn mit einem warmen Lächeln empfing. Joshua blieb neben seiner Mutter stehen und sah seinem Mitschüler mit Missfallen entgegen.
   »Danke Ma‘am.«
   »Gern, Scott. Versprich mir bitte, dass du dich zukünftig benehmen wirst. So, wie ich euren Direktor kenne, macht er zwischen dir und Josh keinen Unterschied. Ich habe für euch beide mein Wort gegeben!«
   Scott nickte. »Ich verspreche es, Ma’am.« Zu Lukes Überraschung zog Natalie auch Scott an sich und drückte ihn kurz. Er schien ob der Geste verblüfft, ließ es aber geschehen und schloss sogar für einen Moment die Augen. So, wie Luke die Mutter seines Jungen einschätzte, hatte sie ihn nie derartig in den Arm genommen. Eine simple Sache, dennoch schien sie Scott viel zu bedeuten.
   Klar war er als gestandener Fighter nicht wirklich jemand, der gern Gefühle zeigte, dennoch erkannte er, wie sehr sein Sohn diese Nähe offensichtlich brauchte. Die Arme einer Mutter waren der sicherste Ort auf der Welt für ein Kind. Selbst Luke wusste dies.
   Lukes Mutter hatte sich kaum für ihn interessiert, und er hatte sich, gerade wegen der brutalen Härte seines Vaters, nach einer wärmenden Umarmung gesehnt, die sie ihm nie gewährte. Einen Teil der Abgestumpftheit, die ihn zu dem machte, was er war, führte er darauf zurück. Vermisste er es vielleicht genauso? Nein, er nahm sich, was er an zwischenmenschlicher Wärme brauchte, von den Schnecken, die gelegentlich in seinem Bett landeten. Harter Sex wirkte befreiend, reinigte ihn und gab ihm alles, was er vermisste. Wer brauchte schon all die Kuschelei und Schmuserei? Nein, ein harter MMA-Kämpfer durfte nichts fühlen, er musste wie eine Maschine funktionieren und reagieren können. Dieser ganze Gefühlskram wirkte da eher kontraproduktiv.
   »Mrs. Laurence. Danke für Ihre Hilfe«, sagte er knapp, reichte ihr die Hand und wusste sofort, warum Vanessa vorhin zusammengezuckt war. Natalies Händedruck hätte einen Stein zermalmen können. Er hielt ihr stand, drückte fester zu, als er eigentlich wollte, und sah ihr dabei starr in ihre tiefbraunen Augen.
   »Nicht der Rede wert, Mr. Cuttler.« Sie nickte ihm zu, wandte sich an Joshua und öffnete die Fahrertür ihres Wagens, während ihr Sohn seine Schultasche auf den Rücksitz des SUV warf und diesen erklomm.
   »Lass uns ins Dojo fahren.« Scott sah dem Wagen nach, und sein Blick war voller Sehnsucht. Luke trat an ihn heran, legte eine Hand auf seine Schulter, die er aber sofort abschüttelte. Wortlos und ohne ihn anzusehen stieg Scott in den Wagen.
 

Zu gewinnen gibt es 
1. Preis - 1 signiertes Print
2. Preis - 2 x 1 E-Book im Wunschformat
3. Preis - 1 Goodiepaket


Um am Gewinnspiel teilzunehmen, beantworte folgende Frage:
Wie heißt der Freund von Cuts Sohn Scott?


Blogtour vom 22.8. - 28.8.
Tag 1: Blickwinkel - Point of View  http://bigsiswelt.blogspot.de/
Tag 2: Mixed-Martial-Arts http://anduriarecca.wordpress.com




Tag 6: K.Elly de Wulf http://babsleben.blogspot.de

Tag 7: Gewinnspielauslosung auf allen Blogs

Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Falls Du unter 18 Jahre alt sein solltest, ist eine Teilnahme nur mit Erlaubnis des Erziehungs-/Sorgeberichtigten möglich.
Der Versand der Gewinne erfolgt nur innerhalb Deutschland, Österreich und Schweiz, wobei der Rechtsweg hier ausgeschlossen ist. Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
Eine Barauszahlung der Gewinne ist leider nicht möglich.
Als Teilnehmer erklärt man sich einverstanden, dass die Adresse an die Autorin/ an den Autor oder an den Verlag im Gewinnfall übersendet werden darf und man als Gewinner öffentlich genannt werden darf.
Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal pro Tag an dem Gewinnspiel teilnehmen. Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
Das Gewinnspiel wird von CP - Ideenwelt organisiert.
Das Gewinnspiel wird von Facebook nicht unterstützt und steht in keiner Verbindung zu Facebook.
Sollte der Gewinner sich im Gewinnfall nach Bekanntgabe innerhalb von 7 Tagen nicht bei CP-Ideenwelt melden, rückt ein neuer Gewinner nach und man hat keinen Anspruch mehr auf seinen Gewinn.
Das Gewinnspiel endet am 27.8.2016 um 23:59 Uhr.

Kommentare:

  1. Sein Freund heißt Joshua

    LG Martina

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  2. Hallo,

    sein Freund heißt Joshua.

    LG
    SaBine

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  3. nach anstrengenden lesen für mich, ;-)heisst der Freund Joshua.
    LG Jenny

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  4. Joshua heißt der Freund

    LG Anja
    berschweiler.39@web.de

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  5. huhu

    jushua ist sein bff :D hihi

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  6. Halli Hallo - Der Link vom Tag 4 geht nicht, kommt Blog nicht gefunden.

    LG Anja

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    1. Hallo Anja.
      Ich habe den Link noch einmal bearbeitet. Er sollte jetzt funktionieren.

      LG Andra

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  7. Hallo
    Oh mein gott... ich liebe die Leseprobe... jetzt ist due Neugierde groß bei mir...
    Sein Freund heißt Joshua.
    Lg Stefanie

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  8. Hallo
    Oh mein gott... ich liebe die Leseprobe... jetzt ist due Neugierde groß bei mir...
    Sein Freund heißt Joshua.
    Lg Stefanie

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  9. Hallo,

    danke für den Beitrag! Er heißt Joshua ;)

    LG

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  10. Sein bester BRO heißt natürlich Joshua ;)

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